Dienstag, 1. März 2011

Mordbuben und Freiheitskämpfer

Im Moment wird viel von den Söldnern in Libyen berichtet. Von "Mordbuben" sprach ein Journalist im Fernsehen. Das sind starke Worte von einem aufrechten Mann, dachte ich, da er ja im selben Bericht einräumen musste, dass niemand irgendetwas Konkretes wisse.

Wahrscheinlich hat Gaddafi tatsächlich Söldner im Einsatz, die Frage ist nur was dahinter steckt. Angeblich hat ihm sein Gangsterkollege Mugabe eine Elitetruppe per Flugzeug geschickt. Sicher ein echt schlimmer Haufen, aber doch sicher keine Söldner.

Viel wahrscheinlich sind da Freiheitskämpfer aus benachbarten Staaten. So war Gaddafi neben Algerien der einzig echte Unterstützer der "Frente Polisario", Rebellengruppen im Tschad finanzierte er allein schon aus Tradition. Auch die Wurzeln der berüchtigten Dschandschawid in Darfur lassen sich zum Teil bis zu ehemaligen Legionären Gaddafis verfolgen.

Gaddafi unterstützte zahlreiche Rebellengruppen oder ließ sie sogar in libyschen Wüstencamps ausbilden. Das ist ja nichts ungewöhnliches; der Terrorist des einen ist des anderen Freiheitskämpfer. Man kann davon ausgehen, dass einige tausend solcher Exilpatrioten ein relativ erbärmliches Leben in libyschen Trainings- und Flüchtlingslagern führten und dabei natürlich auch eine Art Sold erhielten (selbst wenns ein Taschengeld war). Es kann gut sein, dass er nun auf einige dieser Truppen zurückgegriffen hat, und diese nicht undankbar sein wollten. Schließlich war er ja lange der einzige, der dafür sorgte, dass sie irgendwo Unterschlupf fanden und was zu Essen erhielten. Typische Emigrantensöldner eben.

Und während sich alle noch so voller Inbrunst über die Söldner ereifern, vergisst man schon wieder wie sich europäische Politiker – allen voran Sarkozy und Berlusconi – an Gaddafi rangeschleimt haben. Da gings doch wohl auch ums Geld?

Kommentare:

  1. Was die Krieger betrifft, die Mugabe als Söldner nach Lybien schickte gibt es mehr als genug Informationen darüber.
    Wir kennen die Namen und Familien dieser Bastarde und hoffen sie niemals wiederzusehen.
    Sie kann man als Söldner, besser aber als Kanonenfutter bezeichnen. Mugabe braucht Geld also vermietet er seine Leute.

    Interessanter, aber vermutlich nicht bekannt ist das aus Südafrika ebenfalls Truppen kamen. Das sind jene weissen, europäischen Fallschirmjäger die Jakob Zuma im Kongo verkauft hat und die nun als tatsächliche Söldner ihr Auskommen finden müssen.
    Falls es Interesse an dieser unbekannten aber hochinteressanten Geschichte besteht der wende sich an: http://blogs.taz.de/kongo-echo/
    und dann einfach mal die gesamte Geschichte durchlesen.
    Ob es möglich sein wird einen Kontakt zu diesen Leuten herzustellen kann ich nicht sagen, aber über Umwege und mit sehr viel Zeit wäre es möglich.

    AntwortenLöschen
  2. @Faultierasai
    das TAZ-Blog ist wirklich sehr interessant. Nur von europäischen Fallschirmjägern habe ich dort nichts gefunden. Andererseits traue ich Zuma so einiges zu, hält ja auch seine schützende Hand über Mugabe.
    Die weißen Söldner im Kongo 1997 kamen meines Wissens nach mehr über die französische Schiene Tavernier/Denard.
    Wenn du aber mal über Material stolperst, bin ich immer interessiert.
    Ich selbst habe einen alten Raids-Artikel in Spanisch und einen aus Jane’s Intelligence Review.

    AntwortenLöschen
  3. Die südafrikanischen Fallschirmjäger gehörten zum UN Verband der im Kongo stand und dann stiften ging....steht alles in diesem Blog aber schon recht alt so etwa 2009 - 2010. Die gesamte Geschichte kann man auch in den Onlineseiten der südafrikanischen Zeitungen nachlesen. Die kurze Version:

    Zuma schickte weisse Fallschirmjäger für die UN Mission. Bei einem der Einsätze ging es schief. Die Truppen sollten Rebellen enteignen, stattdessen landeten sie in deren Lager und wurden selbst entwaffnet. Die Rebellen forderten jetzt ein Lösegeld. Die Uno weigerte sich zu zahlen, Zuma tat es auch nicht. Dabei kam raus das die UN Truppen seit etwa 6 Monaten keinen Sold mehr bekommen haben. In ihrer Not haben die Familien der Fallschirmjäger gesammelt, Schulden aufgenommen etc. und ihre Männer frei gekauft.
    Als die wieder da waren im Lager haben sie sich ihre Piloten geschnappt und etwas härter angefasst....und siehe da: Zuma geht bald in Rente und braucht Geld. Also hat er sich im Kongo ein paar Bergwerke gekauft. Um die dortigen Rebellen zu beruhigen hat er einfach seine Leute verraten und diesen Einsatz befohlen. Es gab einen Aufschrei in der südafrikanischen Presse als herauskam das Zuma die Hälfte des Lösegeldes eingesteckt hat.

    Und damit diese Fallschirmjäger nicht gefährlich werden wurde ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt. Und so schlagen sich diese Leute nun als Security, Guards oder ähnliches durch. Hoffen wir das sie noch eine Weile am Leben bleiben. Wir werden sie bald brauchen.

    So nebenbei: Die Uno hat die Truppen im Kongo seit Beginn der Mission nie richtig bezahlen können...sie ist klamm. Und die einzigen die noch regelmässig in die UN Kassen bezahlen sind die Chinesen. Von den USA kommt seit Bush nur noch unregelmässig was an. Und Europa ist pleite...

    Für Simbabwe selbst gibt es noch eine Seite:

    http://www.zimbabwesituation.com/

    Die Situation in Simbabwe in Tagen, die Seite wird von einer sehr guten Bekannten geführt die in Simbabwe lebt. Einer Deutschen....

    AntwortenLöschen
  4. Wirklich eine schöne Geschichte.
    Das mit den gefangenen Südafrikanern habe ich im TAZ-Blog auch gelesen.
    Dass Zuma - dem ich zwar alles mögliche zutraue - darin verwickelt ist, oder dass die Leute Söldner wurden, dazu finde ich im Web (auch im englischsprachigen) absolut nichts.

    AntwortenLöschen