Sonntag, 1. März 2020

Gunship Ace


Gunship Ace: The Wars of Neall Ellis, Helicopter Pilot and Mercenary (Englisch)

Al J. Venter

Venters Buch über Neall Ellis ist sicher nicht überragend geschrieben, dafür aber um so interessanter, zumindest für alle, die sich für Afrikas Buschkriege der letzten Jahrzehnte und das Aufkommen moderner PMCs interessieren.
Ellis lernte sein Handwerk in der südafrikanischen Armee während der Kriege in Rhodesien, Deutsch Südwest und Angola. Nach kurzem Ruhestand wurde er dann von Executive Outcomes für den Krieg in Sierra Leone rekrutiert. Er blieb dort auch weiter aktive, nachdem Executive Outcomes längst abgezogen war.
Man erfährt in dem Buch eine Menge über diesen schmutzigen Krieg, und auch über all die kleinen und großen Probleme, mit denen sich ein selbständiger Söldnerunternehmer herumschlagen musste.
Fast noch interessanter ist der Bericht über die letzen Monate von Mobutus Zaire. Die verzweifelten Versuche Söldner anzuwerben, die dann aber doch nichts kosten sollten, während die gesamte korrupte Elite des Landes längst dabei war ihre geraubten Schätze in Sicherheit zu bringen.

Leider nur in Englisch, dennoch absolut empfehlenswert!

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Gunship Ace: The Wars of Neall Ellis, Gunship Pilot and Mercenary (English Edition)

Mittwoch, 15. Januar 2020

Erdogans Fußvolk in Libyen

Da sich Präsident Erdogan bei der Verteilung der im östlichen Mittelmeer gefundenen Gasreserven übergangen fühlt, versucht er der Türkei nun über ein strategisches Bündnis mit Libyen den Zugang darauf zu sichern. Die Türkei unterstützt deshalb die GNA von Ministerpräsident Fayiz as-Sarradsch mit Waffen und Militärberatern.

Um Fayiz as-Sarradsch zum Sieg zu verhelfen, sind aber anscheinend auch eine größere Anzahl von Bodentruppen notwendig, die auf ganz traditionelle Weise ihre Haut zu Markte tragen. Allerdings kann es sich auch ein Autokrat wie Erdogan heutzutage kaum erlauben, dass eine größere Anzahl von Särgen von einem äußerst unpopulären Kriegsschauplatz heimkehren, die dann mit viel nationalem Pomp beigesetzt werden müssen.


 Syrischer Söldner in Libyen. Video auf Twitter

 Wie seine Amtskollegen Trump und Putin hat sich Erdogan deshalb schnell für die moderne Lösung entschieden, in fernen Kriegen andere sterben zu lassen. Die Rekruten kommen aus dem Norden Syriens, wo die Türkei seit einiger Zeit lokale Milizen für sich kämpfen lässt. Um den Syrern den Krieg im fernen Libyen schmackhaft zu machen wird ihnen ein Monatssold von ca. 2.000 Dollar geboten (anstatt der 500 in Syrien) und als ganz besonderer Anreiz ein türkischer Pass.

Geplant ist vorerst der Einsatz von 2000 Kämpfern aus Syrien, von denen etwa knapp die Häfte vor Ort sein soll. Die ersten Toten gibt es auch schon. So wurden von einer kurdischen Website drei Gefallene als syrische Söldner identifiziert.






Dienstag, 12. Juli 2016

Kriegsreisende: Die Neuausgabe

Nachdem das Buch Eine kleine Geschichte der Söldner: Historische Gestalten auf dem Weg in die Moderne (2011) seit knapp 2 Jahren nicht mehr erhältlich ist, habe ich mich endlich aufgerafft eine neue Ausgabe zu erstellen.
Diese ist gerade unter dem Titel Kriegsreisende: eine Geschichte der Söldner (2016) erschienen.
Der Inhalt blieb dabei unverändert, es wurden lediglich Korrekturen vorgenommen und Cover und Layout geändert. 
 
Das Buch ist ab sofort bei Amazon bestellbar.



Mittwoch, 9. Dezember 2015

Söldner im Jemen

Ich wurde schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die reichen Golfstaaten ihren Krieg im Jemen mit Söldnern führen. Eigentlich ist das ja recht uninteressant, da ja wirklich nichts anderes zu erwarten ist. Es handelt sich sozusagen um eine Idealsituation. Reiche, kleine Länder führen irgendwo einen schmutzigen Krieg. Kaum jemand wird wohl erwarten, dass sie das ihre eigenen Bürger erledigen lassen.

Interessant sind m.E. nach lediglich die Dinge, die sozusagen wie im Schulbeispiel das ganze Geschäft illustrieren.

1. Das Fußvolk kommt anscheinend vorwiegend aus dem Sudan und Eritrea. Dort ist durch die langen Kriege genug erfahrenes Personal zu finden, und bei der desolaten ökonomischen Lage sicher auch zu einem guten Preis.

2. Die Spitzenkräfte, für die man früher Ex-Fremdenlegionäre, Ex-SAS oder ähnliches geworben hätte, sind ehemalige Elitesoldaten aus Kolumbien. Auch sie sind kriegserfahren und weitgehend arbeitslos, und dabei mit 2-3.000$ monatlich deutlich preiswerter als amerikanische oder britische Söldner.

3. Gerade die Geschäftsverbindung zwischen Golfstaaten und Lateinamerika unterstreicht die Bedeutung von Beziehungen oder eben Netzwerken. Man stolpert dabei schnell über Erik Prince, den Gründer der ehemaligen Söldnerfirma Blackwater. Bei Blackwater hatte man bereits lateinamerikanische Elitesoldaten für den Krieg im Irak geworben. Später hat Prince dann in den Golfstaaten als Berater beim Aufbau von Sicherheitstruppen gewirkt. Und so fügte sich dann schnell eines zum anderen.

Zur weiteren Lektüre

oder einfach mit Google: mercenaries, Yemen etc

Samstag, 26. September 2015

Die große Pleite

Es ist sicher bekannt, dass private Sicherheits- und Militärunternehmen – so genannte PMCs – gerne überzogene Rechnungen stellen und manchmal für sehr viel Geld relativ wenig leisten. Wenn sich so ein Ereignis zu einem Skandal ausweitet, hat gleich jeder gewusst, dass von „Söldnerfirmen“ ja nichts anderes zu erwarten war.

Gen. Lloyd J. Austin III, United States Central Command
 Als Alternative zu solch dubiosen Anbietern, hat das Pentagon nun 500 (!) Millionen Dollar ausgegeben, um in Syrien eine Armee gemäßigter Kämpfer aufzustellen. Vor kurzem musste jedoch der zuständige General einräumen, dass nur noch ca 5 (!!) Kämpfer zur Verfügung stünden. Welcher private Anbieter könnte sich wohl so etwas erlauben?

Montag, 31. August 2015

Im Wilden Kurdistan

Interessanter Bericht eines deutschen Freiwilligen, der in Nordsyrien auf Seiten den kurdischen YPG gegen den Islamischen Staat kämpfte.



Laut diesem (und anderen) Berichten scheinen die kurdischen Milizen eine ganze Reihe internationaler Abenteurer anzuziehen, von denen nur einige aus einem eher "linken" Umfeld kommen. Die anderen suchen vor allem das Abenteuer, den Kick, wobei sie dennoch wie viele Kriegsreisende in der Geschichte irgendwie für die "richtige" Sache kämpfen möchten.


Samstag, 4. Juli 2015

Die Veteranen von Executive Outcomes

Executive Outcomes gilt sozusagen als die Mutter moderner Söldnerfirmen und ist damit längst Geschichte; lange vorbei möchte man meinen.
1992 operierte die Firma erfolgreich in Angola, 1995 in Sierra Leone und wurde 1998 schließlich aufgelöst. Teile des alten Personals wurden mit der PMC Sandline und dem gescheiterten Putschversuch in Äquatorialguinea 2004 in Verbindung gebracht.

Man sollte dabei daran denken, dass es sich beim Kernpersonal um Angehörigen ehemaliger Eliteeinheiten der südafrikanischen Armee handelte, die also in den 70er und 80er Jahren aktiv waren. Das hält aber anscheinend einige nicht davon ab heute die nigerianische Armee aktiv bei ihrem Kampf gegen Boko Haram zu unterstützen, wobei sie inzwischen auch entscheidende Erfolge erzielt haben sollen.

Eeben Barlow
Die Söldner werden von der Firma STTEP (Specialized Tasks, Training, Equipment and Protection) vermittelt. Dort sitzt an entscheidender Stelle Colonel Eeben Barlow, 62 Jahre alt und einer der ehemaligen Gründer von Executive Outcomes.

Bei dem Einsatz in Nigeria wurde der Südafrikaner Leon Lotz durch irrtümlichen Beschuss eines nigerianischen Panzers getötet. Lotz war 59 Jahre alt und gehörte früher zur der Spezialeinheit "Koevoet". Ein anderer südafrikanischer Söldner soll an einem Herzinfarkt gestorben sein.

Die Ironie bei der Geschichte ist, das sich Nigeria seit dem Biafrakrieg immer ganz besonders für die offizielle Ächtung von Söldnern eingesetzt hat. Dabei hat der Staat jedoch immense Summen damit verdient seine eigenen äußerst unzuverlässigen Truppen an die UN zu vermieten. Da diese zahlenmässig sehr starke Armee jedoch nicht in der Lage war es mit Boko Haram aufzunehmen, mussten also wieder einmal die geschmähten Söldner herhalten.

Artikel
Telegraph (englisch)
Die Welt (deutsch)