Dienstag, 13. Oktober 2009

Söldner und Pharisäer

Im Kampf gegen die Piraten vor der somalischen Küste setzen jetzt anscheinend auch spanische Fischereiunternehmen auf Söldnerdienste. Da der Einsatz von Söldnern aber in Spanien verboten ist, sollen diese nur Schiffe begleiten, die unter ausländischen Billigflaggen fahren, was auf die meisten zutreffen dürfte. Bei den Söldnern handelt es sich um ehemalige britische Soldaten, also wahrscheinlich die Angestellten einer britischen Firma.

Inzwischen ist aber in spanischen Zeitungen zu lesen, dass die Vertreter der spanischen Thunfischflotte, die allein 1.500 Fischer vor Somalia hat, den Schutz der Söldner ablehnt und statt dessen fordert von der eigenen Marine beschützt zu werden. Dabei geht es natürlich nicht um moralische Bedenken, sondern schlicht und einfach darum, wer am Ende die Rechnung bezahlt. Die Kosten der Söldner müssten die privaten Firmen übernehmen, die der Marinesoldaten dagegen der Steuerzahler.

Wie der Streit auch ausgehen mag, so ist doch klar, dass die Dienste von Söldnern am Horn von Afrika zunehmend gefragt sind. Und wie so oft werden bei genauerer Betrachtung kaum moralische Mängel an den Söldnern selbst sichtbar, sondern an den Systemen, die sie beschäftigen.

Die westlichen Staaten können sich nun mal leider nicht dazu entschließen, Piraten wie Bankräuber zu behandeln, wollen aber dennoch nicht beraubt werden. Das heißt, wir sind inzwischen so pazifistisch, dass wir Piraten bestenfalls mit Wasserwerfern zu vertreiben versuchen oder eben mit Geld bestechen. Dummerweise wird das Problem dadurch nur größer, und so braucht man schließlich jemand, der zumindest theoretisch bereit ist sich die Hände dreckig zu machen. Wenn dann tatsächlich mal ein wenig geschossen werden sollte, können wir alle sagen, wir haben damit absolut nichts zu tun, das waren finstere Söldner im Dienst irgendwelcher multinationaler Reedereien.

Kommentare:

  1. Ich glaube, das Problem liegt etwas anders:
    Wenn man die Piraten wie Bankräuber behandeln würde (sie sind ja streng genommen nichts anderes), müsste man sie nach Festnahme in das jeweilige Land bringen und z.B. hier in Deutschland vor Gericht stellen und ins Gefängnis werfen.
    Das will man auf jeden Fall vermeiden.
    Andererseits kann man die Piraten nicht einfach umbringen und so die Todesstrafe durch die Hintertür einführen.

    Ausserdem:
    Wie ist das eigentlich seerechtlich, wenn auf einem Handelsschiff bewaffnete Kräfte mitfahren? Ist das dann nicht automatisch ein Kriegsschiff?

    Die ganze Piratendebatte ist in meinen Augen einfach nur verlogen:
    - Da sparen z.B. deutsche Firmen Steuern, indem sie ihre Schiffe unter fremder Flagge fahren lassen. Diese Schiffe beschützen (und den Schutz bezahlen!) soll natürlich Deutschland.
    - Es gibt "sichere Korridore" und es gibt wohl auch die Möglichkeit, in geschützten Konvois zu fahren. Nur: Aus Kostengründen machen das die Reeder nicht. Sie gehen offen das Risiko ein, dass ihre Schiffe entführt und ihre Seeleute geqüält und umgebracht werden.

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  2. Das erinnert mich an einige Sachen, die ich über die Probleme mit den Korsaren im 17.Jh gelesen habe. Damals war für Handelsschiffe eine Mindestbewaffnung vorgeschrieben. Doch oft wurden aus Kostengründen die Vorschriften umgangen. Manchmal befanden sich auch die Kanonen unten als Ballast um Laderaum zu gewinnen. Dann war bei Korsarenangriffen natürlich kaum was zu machen.

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