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Samstag, 31. Juli 2010

Murten Panorama

Gerade bin ich über die wunderbare Webseite des Murtenpanoramas gestolpert.
In der besten Tradition der Historienmalerei des späten 19. Jahrhunderts wird die Schlacht bei Murten (1476) gezeigt.
Die Schweizer stürmen das burgundische Lager. Nahkampf, Plünderung und wie oben ein "last stand" englischer Bogenschützen.
Tolle Animation und Präsentation des Panoramas. Da können sich viele Museen eine ganz dicke Scheibe abschneiden.

Dienstag, 30. März 2010

Isern Hinrik

Als ich mich mit der Geschichte von Heinrich dem Eisernen beschäftigte, beeindruckte mich am meisten, wie viele Fäden in seiner Person zusammenliefen. Als regelrechtes Missing-Link der Söldnergeschichte verbindet er die Vorläufer der Vitalienbrüder mit den Freien Kompanien – den Nachfolgern Werners von Urslingen – in Italien, die Kreuzzüge im Baltikum mit der Szenerie des Hundertjährigen Krieges in Frankreich, und schließlich das Eingreifen der Mecklenburger in Schweden mit dem Freiheitskampf der Dithmarschen.

Söldnerführer bewegten sich in einer überschaubaren Welt und kannten sich. Man kann sicher davon ausgehen das Hinrik nicht nur König Johann von Böhmen gut kannte, sondern auch Edward III. und dessen Sohn den Schwarzen Prinzen; selbst den österreichischen Abenteurer Friedrich von Chreutzpeck muss er in Novgorod getroffen haben.

Sonntag, 14. März 2010

Die Schotten der Garde

Das Bild zeigt schottische Bogenschützen der Garde der französischen Könige im frühen 16. Jahrhundert. Interessant ist, dass die Schotten der Garde - eine typische Elitetruppe fremder Söldner – immer noch als "Bogenschützen" bezeichnet wurden, obwohl sie längst auf Art der Schweizer und der Landsknechte kämpften.

Mehr dazu in dem Artikel über den Solddienst der Schotten.

Freitag, 27. November 2009

Der Löwe im Winter

Ich habe mir in den letzten Tagen gerade den Fernsehfilm Der Löwe im Winter (2004) angesehen. Sicher nicht absolut historisch dennoch um Längen besser als der ganze Historienkitsch aus Hollywood. Toll Glenn Close als alte verbitterte und immer noch intrigante Eleonore von Aquitanien.

Interessant ist der Film hier vor allem deshalb, weil in den zahlreichen Kriegen und Fehden von Henry II. und seinen Söhnen Söldner – die berüchtigten Brabanzonen – eine entscheidende Rolle spielten. Zu den bei Kriegsreisende behandelten Themen gehört natürlich auch die als selbstverständlich dargestellte homosexuelle Beziehung von Richard Löwenherz und König Philip von Frankreich.

Dienstag, 24. November 2009

Brutstätten der Piraterie

Vor einigen Tagen beschäftigte ich mich mal wieder mit der Geschichte der Vitalienbrüder, das heißt mehr ihren Restbeständen, die nach dem Verlust von Gotland als Likedeeler in der Nordsee ihr Auskommen suchten. Dort fanden sie Unterschlupf, Rekruten und Hehler bei den friesischen Häuptlingen. Von diesen sicheren Basen aus beraubten sie dann die vorbeifahrenden Schiffe.

Diese schöne Karte aus der Wikipedia verdeutlicht wie sich die Likedeeler in dem zersplitterten Küstengebiet festsetzen konnten. Dazu muss man noch beachten, dass weiter im Hinterland die Grafen von Oldenburg, die Hanse und die Wittelsbacher in Holland miteinander im Streit lagen.

Interessant wird die Sache aber wenn man die Karte mit einer aktuellen von Somalia vergleicht. Das Land ist ähnlich zerfallen (die Karte hier vereinfacht die Situation gewaltig), andere Mächte versuchen von außen einzugreifen und die lokalen Warlords leben gut vom Handel vor ihrer Küste.

Donnerstag, 24. September 2009

Ich Dien

Es gibt sicher zahlloses historische Legenden, die einfach mal erfunden wurden, weil sie sich schön anhören. Eventuell die bekannteste im Bezug auf Treue und Loyalität von Söldnern ist diejenige, die sich um das Wappen des Prinzen von Wales rankt.

Angeblich trug König Johann von Luxemburg der König Böhmen die Straußenfedern als Helmzier und den Wappenspruch "Ich dien" als er in der Schlacht von Crecy seinen Tod fand. Er hatte ein Kontingent böhmischer und deutscher Söldner im Dienste Frankreichs geführt. Tief beeindruckt von der Tapferkeit dieses Söldnerführers habe der Schwarze Prinz deshalb sein Wappen übernommen. Nach anderen Aussagen hat es ihm sein Vater, König Edward III., höchstselbst verliehen.

Nach wieder anderen Aussagen (zum Teil auch meiner Meinung) klingt die ganze Sache ziemlich idiotisch, da König Johann längst blind war und seine Männer sinn- und vor allem hirnlos in den Tod geführt hat.

Wesentlich einsichtiger klingt da schon, dass das Motto vom Walisischen "Eich Dyn" kommt, was so viel wie "euer Landsmann" bedeutet. Mit diesem Spruch wurde der Prinz von Wales dem walisischen Adel präsentiert.

Wie auch immer, obwohl sich weder Wappen noch Motto für König Johann belegen lassen, hält sich die Geschichte hartnäckig und ist, wie sich leicht vorstellen kann, vor allem beim britischen Militär und last not least bei britischen Söldnern sehr populär.

Historiengemälde: Der Schwarze Prinz vor der Leiche König Johanns.

Der Prinz war allerdings nie schwarz gekleidet, hatte auch keine schwarzen Haare oder ähnliches. Der Name kam erst lange nach seinem Tod auf, klingt aber ebenso romantisch und damit glaubhaft wie obige Geschichte.

Dienstag, 14. Juli 2009

Wunderwaffe Langbogen

Bei der Beschäftigung mit den Plattenpanzern der "Weißen Kompanie" bin ich bei Youtube auf eine hervorragende fünfteilige Doku zum Einsatz der Bogenschützen in der Schlacht bei Agincourt (1415) gestoßen.

Es erfüllte mich tatsächlich mit einer nicht ganz geringen Befriedigung dort zu hören, was ich eigentlich schon vor Jahren in meinem Artikel "Die englischen Bogenschützen - Legenden um eine Wunderwaffe" geschrieben habe. Vor allem deshalb, da ich damals eine Menge böser mails empörter Bogenschützen oder deren Fans erhalten habe.

Die Doku setzt sich nun ausdrücklich gegen solche Legenden wie "Wunderwaffe Langbogen" oder "Maschinengewehre des Mittelalters" zur Wehr. Ausdrücklich wird der Kostenfaktor der Bogenschützen hervorgehoben: "They were there, because they were cheap, not because of their skill".

Und im 3. Teil werden dann die berühten Bodkinspitzen an den damals neuartigen Stahlplatten getestet. Mit dem Resultat: "There is no way it would have gone through french armour."

Der wesentliche Grund des englischen Sieges liegt nach der Dokumentation darin, dass bei Angincourt eine bezahlte Berufsarmee (Söldner eben) von einer undisziplinierten Masse ruhmsüchtiger, rivalisierender Adliger angegriffen wurde.

Und hier muss man meiner Ansicht nach eben auch die englischen Bogenschützen sehen. Als tapfere Profis, die sich einem numerisch aber auch in der Bewaffnung überlegenen Gegner stellten, und die Ruhe bewahrten. Mit Dolchen und Hämmern sollen sie schließlich die meisten französischen Ritter getötet haben.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Die Weiße Kompanie

"Die Weiße Kompanie" ist ein historischer Roman von Sir Arthur Conan Doyle, der allgemein eher durch seinen Helden Sherlock Holmes bekannt ist. Das ist auch nicht weiter schade, da "Die Weiße Kompanie" ein ausgesprochen schlechtes Buch ist, in der besten Kitschtradition des 19. Jahrhunderts.

Um vieles besser sind allerdings die Illustrationen des amerikanischen Künstlers Newell Convers Wyeth (1882-1945). Obwohl ich Wyeth sehr schätze ist ihm dennoch ein sehr grober Fehler unterlaufen. Bei der Weißen Kompanie handelt es sich um den berühmten Söldnerverband, den der deutsche Condottiere Albert Sterz nach Italien führte, wo er dann von dem Engländer John Hawkwood abgelöst wurde.

Die Weiße Kompanie hatte aber ihren Namen wegen ihrer modernen Plattenpanzer erhalten. Um ihre Gegner mit dieser in Italien noch nicht sehr verbreiteten Rüstung auch richtig zu beeindrucken, mussten die sie Knappen ständig auf Hochglanz bringen, außerdem verzichtete man natürlich auf den Waffenrock.

Wyeth als Amerikaner hatte bezüglich der Weißen Kompanie nur die großen Schlagworte gehört (wahrscheinlich bei Doyle gelesen) und die waren: "weiß" und "Bogenschützen". Und so malte er statt der typischen Schwerbewaffneten in blanker Rüstung Bogenschützen mit weißen Waffenröcken.

Das ist natürlich alles ganz falsch. Dennoch bin ich der Meinung, dass Wyeth – wie von ihm nicht anders zu erwarten - ein paar sehr schöne Bilder mittelalterlicher Söldner hinterlassen hat.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Österreicher

Einer der meiner Ansicht nach größten österreichischen Abenteurer der Ritter Friedrich von Chreutzpeck ist 1360 gestorben in wurde in der Augustinerkirche zu Baden (bei Wien) beigesetzt, es soll sich dabei um die heutige Hofkirche handeln.
Angeblich kann man dort immer noch seinen Grabstein sehen. Dieser ist an einem Krebs zu erkennen, da sich der Name Chreutzpeck (manchmal auch Kreisbach) von Krebsbach ableitete.

Fall also mal einer unserer Leser dort vorbeikommen sollte, würde ich mich über ein Foto freuen und es natürlich hier im Blog oder im Artikel der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Sonntag, 3. Mai 2009

Kaperkapitän in Helsingör

Ein gewisser Hans Pothorst aus Hildesheim diente Ende des 15. Jahrhunderts zusammen mit seinem Landsmann Didrik Pining dem König von Dänemark als Kaperkapitän. Eine gewisse Berühmtheit erlangten sie, da sie 1471-73 im Zuge einer Expedition nach Grönland möglicherweise Amerika erreichten.
Später führten sie im Auftrag Dänemarks hauptsächlich Kaperkrieg gegen England und erwiesen sich dabei als echte Nachkommen der Vitalienbrüder.
Während Pining jedoch 1491 als Statthalter von Vardø in Nord-Norwegen spurlos verschwand, hinterließ Pothorst
ein Deckengemälde in der Marienkirche von Helsingör mit der Schrift: "Desse belde let malen Hans Pothorst". Möglicherweise wollte er damit seine Zeit im Fegefeuer etwas verkürzen. Falls also mal jemand im Urlaub dort vorbei kommt und mir eine bessere Aufnahme schicken könnte, würde ich mich sehr freuen.

Freitag, 17. April 2009

Eine unterschätzte Waffe

Normalerweise interessieren sich die meisten Leute für die alten Waffen und Rüstungen, die in Museen zu sehen sind. Dabei wird dann gerne übersehen, dass viele Kämpfer nur sehr mangelhaft ausgerüstet waren. Eine in der Antike und im Mittelalter sehr verbreitete (und auch erfolgreiche Art) zu kämpfen waren einfache Steinwürfe.

Das Bild hier zeigt zum Beispiel wie einer der Anführer der gefürchteten Armagnaken in der Schlacht von St. Jakob an der Birs (1444) tödlich von einem Stein getroffen wurde. Geschleudert von einem Müsli gestärkten Schweizer.

Auch der deutsche Söldnerführer Konrad von Landau fiel 1359 in einem Gefecht mit dem Tross der englischen Kompanie, nachdem er von einem Stein getroffen worden war.

Das berühmteste Opfer ist aber sicher der griechische Söldnerführer Pyrrhos (oder lat. Pyrrhus), nach dem die vernichtenden Siege ihren Namen haben. Ihn traf 272 v. Chr. bei Straßenkämpfen in Argos ein Ziegel, den angeblich ein altes Mütterchen vom Dach geworfen hatte.

Auch die 420 Spartaner, die 425 v. Chr. auf der Insel Sphakteria eingeschlossen wurden, erlagen wahrscheinlich zum Großteil den Streinwürfen der athenischen Ruderer. Nicht ganz so heroisch wie in "300" ergaben sie sich als ihre Zehl auf 292 reduziert worden war.

Natürlich möchte ich hier von keiner "Wunderwaffe" sprechen, sondern eher auf die Banalität des Todes verweisen. Und eben auch darauf, dass Waffen und Ausrüstung nicht immer das waren, was im Museum vorgeführt wird.

Samstag, 14. März 2009

Die Schlacht bei Civitate (1053)

Ich bin gerade vor kurzem über die Schlacht bei Civitate gestolpert. Dort kämpften im Dienst des Papstes Leo IX. 700 schwäbische Söldner gegen die Normannen und fielen nach hartem Widerstand bis auf den letzten Mann. So weit ich weiß, war dies wahrscheinlich die älteste "deutsche" Söldnertruppe der Geschichte. Bei genauerer Betrachtung dürfte es sich bei den "Schwaben" jedoch mehr um Elsässer und Schweizer gehandelt haben (das alte Stammesherzogtum Schwaben umfasste diese Gebiete).
Tja die Schweizer: von Civitate zum Gemetzel in den Tuillerien. Da ich diesen Zusammenhang noch nirgendwo gefunden habe, werde ich den Artikel wohl wieder selbst schreiben müssen.
Sicher wie so oft eine sinnlose und vergessene Geschichte, dennoch geeignet um zu unterstreichen, dass die so oft zitierten "last stands" ganz im Gegensatz zu Macchiavellis Thesen für Söldner nicht untypisch waren.